Von der Buchung bis zur Übergabe: Diese neun Ratgeber begleiten Sie durch alle entscheidenden Schritte beim Mietwagen – damit Sie günstig buchen, richtig versichert sind und typische Fehler beim Mietwagen vermeiden.
Mietwagenpreise unterliegen einer dynamischen Preisgestaltung: Je nach Nachfrage, Buchungsvorlauf und Standort können sich die Kosten für dasselbe Fahrzeug in der gleichen Woche erheblich unterscheiden. Wer früh bucht, profitiert in der Regel von günstigeren Tarifen – besonders in der Hochsaison, rund um Feiertage und an beliebten Urlaubszielen wie Mallorca, der Toskana oder an großen Flughäfen.
Als Faustregel gilt: Drei bis acht Wochen vor dem Abholtermin bieten häufig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr kurzfristige Buchungen können je nach Verfügbarkeit teurer werden oder das gewünschte Fahrzeugsegment nicht mehr verfügbar haben. Buchungen weit im Voraus (mehr als drei Monate) sind häufig möglich, aber das Preisniveau zu diesem Zeitpunkt ist nicht immer das günstigste – Preise können kurz vor Abholung auch fallen, wenn Anbieter freie Kapazitäten füllen wollen.
Vergleichsportale zeigen Ihnen transparent, welche Kategorien zu welchem Preis verfügbar sind. Vergleichen Sie immer den Gesamtpreis inklusive Steuern, Gebühren und Pflichtversicherungen – der Einstiegspreis ohne Pflichtleistungen kann irreführend niedrig erscheinen.
Tipp: Buchen Sie flexibel stornierbare Tarife, wenn sich Ihre Reisepläne noch ändern könnten. Die Mehrkosten gegenüber einem Fixpreis-Tarif sind oft gering und zahlen sich bei Planungsänderungen sofort aus.
Die Versicherungssituation beim Mietwagen ist für viele Kunden undurchsichtig. Im Standardtarif inbegriffen sind üblicherweise die gesetzliche Haftpflichtversicherung (für Schäden an Dritten) sowie eine Diebstahl- und Teilkasko-Versicherung mit Selbstbeteiligung. Vollkaskoschutz mit reduzierter oder ohne Selbstbeteiligung (CDW – Collision Damage Waiver) kostet extra – schützt aber vollständig bei selbst verschuldeten Schäden am Mietfahrzeug.
Eine Alternative für Vielreisende: Viele Kreditkarten mit Premium-Status (Gold, Platinum, Infinite) bieten automatischen Mietfahrzeugschutz, wenn Sie das Fahrzeug vollständig mit der Karte bezahlen und auf die Versicherung des Vermieters verzichten. Prüfen Sie die Konditionen genau: Nicht alle Länder (z. B. USA, Israel, einige Länder Osteuropas), Fahrzeugkategorien (SUVs, Transporter, Luxusautos) oder Schadenarten sind abgedeckt. Häufig gilt nur Sekundärschutz – die Karte zahlt erst, wenn der Primärschutz des Vermieters ausgeschöpft ist.
Zusatzoptionen wie Reifenschutz, Glasschutz oder Unfallschutz für Fahrer und Insassen bieten Vermieter standardmäßig an, sind aber in den meisten Fällen optional. Überlegen Sie, ob Ihre bestehende Auslandsreisekranken- oder Unfallversicherung diese Bereiche bereits abdeckt, bevor Sie doppelt versichern.
Bei der Fahrzeugabholung ist gründliche Sorgfalt wichtiger als Eile. Gehen Sie das Fahrzeug systematisch gemeinsam mit dem Mitarbeiter des Vermieters durch und dokumentieren Sie jeden bereits vorhandenen Schaden – auch kleine Kratzer, Dellen, Lackabplatzungen – schriftlich im Übergabeprotokoll und zusätzlich fotografisch mit Zeitstempel auf Ihrem Smartphone.
Achten Sie besonders auf Stellen, die bei einer flüchtigen Besichtigung leicht übersehen werden: Felgenränder, Unterboden, Dachpartie, Windschutzscheibe (Steinschläge) und Stoßfänger. Fordern Sie, dass alle gefundenen Schäden im Protokoll vermerkt werden, bevor Sie unterschreiben. Ein Foto des Protokolls bietet zusätzliche Sicherheit.
Bei der Fahrzeugrückgabe gilt dasselbe Vorgehen. Geben Sie das Fahrzeug möglichst während der Öffnungszeiten zurück, damit ein Mitarbeiter die Rücknahme sofort bestätigen kann. Eine Rückgabe mit Schlüsselbox außerhalb der Öffnungszeiten birgt das Risiko, dass später auftauchende Mängel nicht mehr eindeutig dem richtigen Kunden zugeordnet werden können.
Fast alle Mietwagenvermieter setzen eine echte Kreditkarte als Zahlungsmittel voraus. Debitkarten (auch wenn sie Visa- oder Mastercard-Logo tragen) werden häufig nicht akzeptiert oder unterliegen deutlich strengeren Bedingungen. Der Hintergrund: Der Vermieter blockiert zu Mietbeginn eine Kaution auf Ihrem Kartenlimit als Sicherheit für eventuelle Schäden.
Die Kautionshöhe variiert stark: Bei Kleinwagen sind es meist 300–500 Euro, bei SUVs, Premiumfahrzeugen oder Transporten können es 1.500–2.500 Euro oder mehr sein. Diese Summe steht Ihnen während der Mietzeit nicht zur Verfügung. Stellen Sie sicher, dass Ihr Kartenlimit für Kaution und laufende Reisekosten ausreicht. Nach der unbeschädigten Rückgabe wird die Blockade aufgehoben – das dauert je nach Kreditkarteninstitut zwischen einem und zehn Werktagen.
Prüfen Sie vor der Buchung, welche Kreditkarten der Anbieter akzeptiert: American Express wird nicht überall angenommen. Manche Vermieter erlauben PayPal oder Prepaid-Karten, verlangen dann aber eine deutlich höhere Kaution oder schränken den Versicherungsschutz ein.
Die Tankregel ist die häufigste Quelle für unerwartete Nachbelastungen. Das verbreitetste Modell ist Voll/Voll: Sie erhalten das Fahrzeug voll betankt und sollen es voll zurückgeben. Vergessen Sie das Nachtanken oder gibt der Vermieter das Fahrzeug bereits nicht voll heraus, wird der fehlende Sprit zu deutlich überhöhten Preisen berechnet.
Das Voll/Leer-Modell (Sie kaufen bei Abholung einen Prepaid-Tank zu einem vereinbarten Preis und können das Fahrzeug leer zurückgeben) klingt bequem, ist aber häufig kein gutes Geschäft: Sie zahlen für einen vollen Tank, auch wenn Sie ihn nicht vollständig verbrauchen. Buchen Sie diesen Service nur, wenn Sie sicher sind, das Fahrzeug fast leer zurückzugeben.
Weitere typische Kostenfallen: zusätzliche Fahrer (fast immer kostenpflichtig), Kleinkindersitze (täglich berechnet), GPS-Systeme (heute durch Smartphone meist unnötig), Flughafengebühren (die in den Gesamtpreis eingerechnet sein sollten) und One-Way-Aufschläge bei Rückgabe an einem anderen Ort. Klären Sie alle diese Punkte vor der Buchung, damit der Endpreis keine Überraschung ist.
Bewahren Sie alle Belege – Tankquittung, Mietvertrag, Schadenprotokoll, Rückgabebestätigung – bis zur vollständigen Abrechnung auf Ihrer Kreditkarte auf. Bei Unstimmigkeiten sind diese Dokumente Ihre wichtigsten Beweismittel gegenüber dem Vermieter oder Ihrer Kreditkartengesellschaft.
Im Ausland gelten zum Teil andere Regeln als in Deutschland. In manchen Ländern (USA, Kanada, einige Karibik-Destinationen) wird ein internationaler Führerschein zusätzlich zum deutschen Führerschein empfohlen oder sogar vorgeschrieben. Prüfen Sie vor der Reise, ob ein solcher Führerschein benötigt wird und lassen Sie ihn bei der Fahrerlaubnisbehörde ausstellen.
Auch das Mindestalter variiert stark: Während in Deutschland und vielen EU-Ländern ab 21 Jahren (teilweise ab 18 Jahren mit Zuschlag) gemietet werden kann, verlangen Vermieter in manchen Ländern ein Mindestalter von 25 Jahren für bestimmte Fahrzeugkategorien. Young-Driver-Zuschläge für Fahrer unter 25 oder 28 Jahren können die Gesamtkosten erheblich erhöhen.
Im Schadensfall im Ausland: Rufen Sie immer zuerst die lokale Polizei, wenn Personen verletzt wurden oder der Schaden erheblich ist. Tauschen Sie mit allen Beteiligten Kontakt- und Versicherungsdaten aus und fotografieren Sie die Unfallstelle. Informieren Sie umgehend den Mietwagenvermieter – in jedem Vertrag ist eine Meldepflicht innerhalb einer bestimmten Frist nach einem Schaden vorgesehen.
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