Viele Sondertarife enthalten eine Mindestlaufzeit. Was das konkret für Kündigung und Wechsel bedeutet, hängt vom Vertrag ab – hier sind die wichtigsten Punkte.
Eine Mindestlaufzeit legt fest, wie lange ein Stromvertrag mindestens gilt. Typische Werte sind 12 oder 24 Monate. Während dieser Zeit ist eine ordentliche Kündigung nicht möglich. Verbraucher sollten die Mindestlaufzeit vor Vertragsschluss prüfen und die Kündigungsfristen notieren.
Nach Ablauf der Mindestlaufzeit verlängert sich der Vertrag häufig automatisch – oft um einen weiteren Monat oder um ein weiteres Jahr. Wie lang die Verlängerung dauert, steht im Vertrag. Um eine automatische Verlängerung zu verhindern, muss der Vertrag innerhalb der Kündigungsfrist – meist vier bis sechs Wochen vor Ende der Laufzeit – gekündigt werden.
Grundversorgungstarife haben keine Mindestlaufzeit. Sie können jederzeit mit einer kurzen Frist beendet werden. Sondertarife ohne Mindestlaufzeit sind eine gute Alternative für Haushalte, die flexibel bleiben wollen.
Das Sonderkündigungsrecht greift auch während einer laufenden Mindestlaufzeit – zum Beispiel bei einer Preiserhöhung durch den Anbieter. In diesem Fall können Kunden den Vertrag frühzeitig beenden, ohne eine Vertragsstrafe befürchten zu müssen.
Wer die Kündigungsfrist verpasst, bleibt zunächst an den Vertrag gebunden. Wie lange, hängt von der vereinbarten Verlängerungsklausel ab. Viele Sondertarife verlängern sich automatisch um nur einen Monat und sind danach monatlich kündbar. Andere Verträge verlängern sich um ein weiteres Jahr. Diese Information steht im Vertrag unter "Laufzeit" oder "Verlängerung" und sollte vor Vertragsschluss unbedingt geprüft werden. Wichtig: Seit 2022 darf die automatische Verlängerung eines Sondertarifs nicht mehr als einen Monat betragen, wenn der Vertrag nicht verlängert werden soll. Verträge, die vor diesem Datum abgeschlossen wurden, können davon abweichen.
Wer einen Stromvertrag online oder per Telefon abschließt, hat in der Regel 14 Tage Widerrufsrecht. Innerhalb dieser Frist kann der Vertrag ohne Angabe von Gründen widerrufen werden – die Mindestlaufzeit beginnt dann nicht zu laufen. Der Widerruf muss schriftlich (Brief, E-Mail, Fax) beim Anbieter eingehen. Das Widerrufsrecht gilt nicht für Verträge, die auf ausdrücklichen Kundenwunsch bereits vollständig erfüllt wurden. Nach Ablauf der 14 Tage ist ein Widerruf nicht mehr möglich – dann gilt nur noch die ordentliche Kündigung oder ein Sonderkündigungsrecht. Dieses Recht ist besonders wichtig, wenn der Vertreter-Abschluss an der Haustür oder über eine Vergleichsplattform anders als erwartet ausfiel.
| Vertragstyp | Mindestlaufzeit | Kündigungsfrist | Verlängerung |
|---|---|---|---|
| Grundversorgung | keine | 2 Wochen | monatlich |
| Sondertarif, 12 Monate | 12 Monate | 4–6 Wochen vor Ende | meist 1 Monat |
| Sondertarif, 24 Monate | 24 Monate | 4–6 Wochen vor Ende | meist 1 Monat |
| Monatlich kündbar | keine | 1 Monat | monatlich |
Die Grundversorgung hat keine Mindestlaufzeit und kann mit einer Frist von zwei Wochen beendet werden. Das klingt attraktiv, aber der Preis liegt meist deutlich über dem Marktdurchschnitt. Wer einige Monate Planungssicherheit hat, faehrt mit einem Sondertarif ohne Mindestlaufzeit oder mit 12 Monaten Laufzeit in der Regel günstiger. Seit 2023 sind alle Anbieter verpflichtet, monatlich kündbare Tarife anzubieten. Grundversorgung vs. Sondertarif im Vergleich
Das außerordentliche Kündigungsrecht nach § 41 EnWG erlaubt es, einen Stromvertrag vor Ablauf der Mindestlaufzeit zu beenden. Es greift vor allem bei zwei Situationen: Eine Preiserhöhung durch den Anbieter gibt Ihnen ab Eingang der Ankündigung vier Wochen Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung wirkt dann zum Datum der Erhöhung. Bei einem Umzug können Sie den Vertrag ebenfalls vorzeitig beenden, wenn der Anbieter am neuen Wohnort nicht liefert. Alle Sonderkündigungsrechte im Ueberblick
Mieter haben üblicherweise einen eigenen Stromanschluss und schließen ihren Liefervertrag direkt mit einem Stromanbieter ab. Hier gelten Mindestlaufzeit und Kündigungsfristen wie für Eigentümer. Eine andere Situation entsteht, wenn der Vermieter den Strom zentral bezieht und über die Nebenkosten weiterberechnet. In diesen Fällen gibt es keinen eigenen Liefervertrag. Ein Wechsel ist nur möglich, wenn der Vermieter zustimmt oder das Modell umgestellt wird. Strom bei Mieterwechsel ummelden
Einige Tarife locken mit einem Wechselbonus, der nach Ablauf der Mindestlaufzeit oder zu Beginn des Vertrags gutgeschrieben wird. Ein solcher Bonus kann die Gesamtkosten trotz Bindung attraktiver machen als ein monatlich kündbarer Tarif ohne Bonus. Entscheidend ist die Gesamtrechnung über die volle Laufzeit: Grundpreis + Arbeitspreis × Jahresverbrauch minus Bonus. Liegt der gebundene Tarif nach Abzug des Bonus noch unter dem Marktdurchschnitt, ist die Bindung akzeptabel. Steigen die Preise stark an, greift das Sonderkündigungsrecht als Absicherung. Wechselbonus richtig bewerten
Bei allen Fragen rund um den Wechsel hilft auch ein direkter Vergleich: Stromtarife für Ihre PLZ vergleichen
Tariferinnerungen und Preisvergleiche helfen, den Wechselzeitpunkt nicht zu verpassen. Kündigung vorbereiten
Die häufigste Falle bei Stromverträgen: Die Kündigungsfrist läuft unbemerkt ab. Tragen Sie das Vertragsende sofort in Ihren Kalender ein und setzen Sie eine Erinnerung sechs Wochen vorher. Bei einer Preiserhöhung lohnt es sich immer, das Sonderkündigungsrecht zu prüfen – der Wechsel dauert nur wenige Minuten online.