Wärmepumpen verbrauchen deutlich mehr Strom als herkömmliche Heizungen. Für solche Haushalte gibt es spezielle Tarifoptionen – die den hohen Verbrauch berücksichtigen.
Wärmepumpen verbrauchen deutlich mehr Strom als normale Haushalte – je nach Größe 4.000–12.000 kWh pro Jahr. Der richtige Stromtarif kann dabei hunderte Euro im Jahr ausmachen.
Normale Haushaltstarife sind für Verbräuche bis ca. 4.000–5.000 kWh optimiert. Wärmepumpen verdoppeln oder verdreifachen diesen Verbrauch. Anbieter haben daher spezielle Wärmepumpentarife entwickelt, die entweder einen reduzierten Arbeitspreis bieten oder ein Zweizähler-System (HT/NT) nutzen, bei dem Strom nachts günstiger ist.
Das Herzstück des Wärmepumpen-Tarifs ist der Zweizähler mit Hoch- und Niedertarif. HT (Hochtarif): normaler Tagpreis für Haushaltsstrom. NT (Niedertarif): günstiger Nachtpreis (typisch 20:00–6:00 Uhr) für die Wärmepumpe. Die Wärmepumpe wird über einen separaten Zähler gemessen und abgerechnet. Das NT-Netz ermöglicht dem Netzbetreiber die Steuerung des Betriebs zu Schwachlastzeiten.
| Anlagengröße | Jahresverbrauch WP | Optimaler Tarif |
|---|---|---|
| EFH klein (100 m²) | 4.000–6.000 kWh | WP-Tarif mit NT |
| EFH mittel (150 m²) | 6.000–9.000 kWh | WP-Tarif mit separatem NT-Zähler |
| EFH groß (200+ m²) | 9.000–14.000 kWh | WP-Tarif, Direktvermarktung prüfen |
Grundversorger und große Stadtwerke haben in der Regel Wärmepumpentarife im Angebot. Viele überregionale Anbieter haben ebenfalls spezielle WP-Produkte. Einige Anbieter bieten kombinierte Pakete: Haushaltsstrom + Wärmepumpenstrom in einem Vertrag mit einheitlicher Abrechnung.
Wenn Ihre Wärmepumpe noch über den normalen Haushaltszähler läuft (ohne NT-Tarif): Antrag auf Einbau eines separaten Zählers beim Netzbetreiber stellen. Der Netzbetreiber entscheidet, ob eine Trennung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. In der Übergangszeit: Vergleich durchführen, ob ein normaler Haushaltstarif mit niedrigem Arbeitspreis oder ein WP-Tarif günstiger ist.
Wer eine Photovoltaikanlage und eine Wärmepumpe kombiniert, kann einen großen Teil des Wärmepumpenstroms selbst erzeugen. In diesem Fall wird der Netzstrombezug für die Wärmepumpe deutlich reduziert. Für diese Haushalte empfiehlt sich ein Kombi-Tarif, der Einspeisung und Bezug zusammen abbildet.
Bei einem Wärmepumpenverbrauch von 8.000 kWh/Jahr und einem Preisvorteil von 5 Cent/kWh durch den WP-Tarif gegenüber dem Standardtarif: 400 Euro Jahresersparnis. Das ist erheblich. Der genaue Vorteil hängt vom aktuellen Preisunterschied zwischen HT und NT ab sowie vom Anteil des Nachtbetriebs der Wärmepumpe.
Erster Schritt: Prüfen Sie, ob für Ihre Wärmepumpe bereits ein separater Stromzähler installiert ist. Wenn ja: Sie können einen dedizierten Wärmepumpentarif abschließen. Wenn nein: Anfrage beim Netzbetreiber stellen, ob ein separater Wärmepumpenzähler eingebaut werden kann. Zweiter Schritt: Jahresverbrauch der Wärmepumpe ermitteln. Der Verbrauch steht auf der Jahresabrechnung, alternativ kann er aus Leistung der Wärmepumpe und Betriebsstunden abgeschätzt werden. Dritter Schritt: Tarifvergleich mit diesem Verbrauch und der PLZ. Vierter Schritt: Anbieter auswählen und Wärmepumpentarif online abschließen. Der neue Anbieter übernimmt die Abmeldung beim alten.
Wärmepumpen mit NT-Zähler werden häufig vom Netzbetreiber gesteuert. Das bedeutet: Der Netzbetreiber kann die Wärmepumpe für maximal 2 Stunden täglich in bestimmten Perioden abschalten (Lastspitzenvermeidung). Dafür gibt es den günstigeren NT-Preis. Für gut gedämmte Gebäude mit ausreichend thermischer Masse ist das kein Problem – das Haus kühlt in 2 Stunden kaum ab. Bei schlecht gedämmten Gebäuden sollte dieser Aspekt berücksichtigt werden.
Wer eine PV-Anlage betreibt und eine Wärmepumpe hat, kann durch intelligente Steuerung den Eigenverbrauch erhöhen: Wärmepumpe mittags laufen lassen, wenn PV-Strom reichlich produziert wird, statt morgens früh aus dem Netz zu beziehen. Bei neueren Wärmepumpen ist diese 'SG Ready'-Steuerung bereits eingebaut und über das Smart-Home-System einstellbar. Das reduziert den teuren Netzbezug und maximiert die Nutzung des selbst erzeugten Stroms.
Normale Haushalte verbrauchen 2.500–4.000 kWh/Jahr – ein Unterschied von 2 Cent/kWh bedeutet 50–80 Euro. Bei einer Wärmepumpe mit 8.000 kWh/Jahr bedeutet derselbe Unterschied von 2 Cent/kWh bereits 160 Euro. Bei 5 Cent Unterschied (realistisch zwischen Grundversorgung und günstigem WP-Tarif): 400 Euro pro Jahr. Das macht den Vergleich beim Wärmepumpenhaushalt zu einer der lohnendsten Maßnahmen überhaupt.
Zusammenfassung: Wärmepumpenhaushalte profitieren von einem spezialisierten Tarif erheblich mehr als normale Haushalte von einem einfachen Tarifwechsel. Die Kombination aus hohem Jahresverbrauch und möglichem NT-Preis schafft ein Einsparpotenzial von mehreren hundert Euro jährlich. Der erste Schritt ist immer: Prüfen ob ein separater WP-Zähler vorhanden ist oder beantragt werden kann. Danach: Vergleich auf Basis des tatsächlichen WP-Jahresverbrauchs.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe bestimmt, wie effizient der Strom in Wärme umgewandelt wird. JAZ 4 bedeutet: 1 kWh Strom erzeugt 4 kWh Wärme. Je höher die JAZ, desto wichtiger ist ein günstiger Stromtarif – weil mehr Strom fließt.