Wer eine Photovoltaik-Anlage betreibt, erzeugt einen Teil seines Stroms selbst. Das verändert den Strombedarf aus dem Netz – und damit die Anforderungen an den Tarif.
Eine eigene Photovoltaikanlage verändert das Verhältnis zum Stromnetz. Wer PV-Strom einspeist, braucht andere Tarife und Verträge als ein normaler Haushalt.
Mit PV-Anlage haben Sie in der Regel zwei Verträge: den Liefervertrag (für Netzbezug in Stunden, in denen PV nicht ausreicht), und den Einspeisevertrag (für Vergütung überschüssigen Solarstroms). Beide laufen parallel – oft beim selben Anbieter, aber nicht zwingend.
Die gesetzliche Einspeisevergütung (EEG) gilt für PV-Anlagen bis 100 kWp. Der aktuelle Satz hängt vom Inbetriebnahmedatum und der Anlagengröße ab. Für neue Anlagen (2024/2025): ca. 8 Cent/kWh für Volleinspeiser, ca. 12 Cent/kWh bei Anlagen bis 10 kWp mit Teileinspeisung. Die Vergütung gilt 20 Jahre ab Inbetriebnahme. Nach Ablauf: freie Vermarktung notwendig.
Einige Anbieter bieten Spezialprodukte für Haushalte mit PV-Anlage: höhere Einspeisevergütung als die EEG-Pflicht, günstigerer Netzstromtarif kombiniert mit Einspeisevergütung, oder Cloud-Strom-Modelle (Eigenproduktion wird in einem virtuellen 'Konto' verrechnet). Diese Produkte lohnen sich, wenn die Gesamtbilanz (Einsparung + Vergütung) besser ist als Standard-EEG + günstiger Netzstromtarif separat.
Der direkteste Weg zur Kostenreduktion: Eigenverbrauch erhöhen. Statt Strom ins Netz zu speisen (8–12 Cent/kWh Vergütung) und später aus dem Netz zu kaufen (30–40 Cent/kWh), sollten Sie so viel PV-Strom wie möglich selbst verbrauchen. Maßnahmen: Waschmaschine, Geschirrspüler tagsüber laufen lassen, Heimspeicher anschaffen, E-Auto tagsüber laden.
Ein Heimspeicher (Batterie) speichert überschüssigen PV-Strom tagsüber und gibt ihn abends und nachts ab. Das erhöht den Eigenverbrauchsgrad von typisch 20–30 % (ohne Speicher) auf 60–80 % (mit Speicher). Heimspeicher amortisieren sich bei hohem Strompreis und guter Eigenverbrauchsoptimierung in ca. 8–15 Jahren.
Anforderungen: günstiger Netzstrombezug, faire Einspeisevergütung. Vergleichen Sie nicht nur den Bezugspreis, sondern auch die Einspeisevergütung. Manche Anbieter bieten leicht höhere Netzstrompreise, aber deutlich bessere Einspeisevergütung – das kann bei hoher Einspeisung trotzdem insgesamt günstiger sein.
Die EEG-Einspeisevergütung unterscheidet zwischen Volleinspeisern (der gesamte erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist) und Überschusseinspeisern (ein Teil wird selbst verbraucht, der Rest eingespeist). Für Überschusseinspeiser gilt seit 2023: Die Vergütung ist je nach Anlagengröße und Inbetriebnahmedatum gestaffelt. Für Anlagen bis 10 kWp liegt sie heute (2025) bei etwa 8–12 Cent/kWh. Wer alle Details zum aktuellen EEG kennen möchte: Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die jeweils gültigen Sätze.
Ältere PV-Anlagen, die aus der 20-jährigen EEG-Förderung herausfallen, müssen ihren Strom danach selbst vermarkten. Optionen: Direktvermarktung über einen Direktvermarkter (dieser verkauft den Strom an der Börse, behält eine Marge und zahlt den Rest), Eigenverbrauch maximieren (PV-Strom nutzen statt einspeisen), oder neuer Einspeisevertrag zu aktuellen Marktkonditionen. Die Zeit nach dem EEG-Ablauf erfordert aktives Handeln.
Mit diesen Informationen können Sie sowohl günstige Bezugstarife (für den Netzstrom, den Sie in sonnenarmen Zeiten ziehen) als auch Einspeisevergütungsangebote (für den überschüssigen Solarstrom) gezielt vergleichen.
Einige Anbieter haben 'Cloud'-Modelle entwickelt: Der überschüssige PV-Strom wird in einem virtuellen Konto gutgeschrieben und zu einem späteren Zeitpunkt (z. B. abends) wieder abgerufen. Technisch gesehen verrechnen diese Anbieter Einspeisung und Bezug buchhalterisch. Das kann attraktiv sein, wenn die Verrechnung zu guten Konditionen erfolgt. Wichtig: Cloud-Modelle sind keine Batteriespeicher – der Strom kommt immer aus dem Netz, nicht wirklich gespeichert.
Für PV-Haushalte lautet das Optimierungsziel: weniger Netzstrom kaufen, weniger Strom verschenken. Das erste erreichen Sie durch Eigenverbrauchsmaximierung. Das zweite durch einen guten Einspeisevertrag. Und bei der Wahl des Netzstrombezugs lohnt ein normaler Tarifvergleich mit den Jahreskilowattstunden, die Sie tatsächlich noch aus dem Netz beziehen.
Wer eine PV-Anlage betreibt, sollte jedes Jahr prüfen: Wie viel Strom beziehe ich noch aus dem Netz? Mit welchem Bezugstarif? Und was erhalte ich für die Einspeisung? Diese drei Fragen decken das gesamte finanzielle PV-Potential ab. Ein strukturierter jährlicher Check der PV-Wirtschaftlichkeit – inklusive Tarifvergleich für den Netzbezug – ist für PV-Haushalte ebenso wichtig wie für normale Stromkunden.
PV-Anlage + Heimspeicher + konsequente Eigenverbrauchsoptimierung – das ist das stärkste Gesamtpaket. Wer nur eine PV-Anlage hat und den Überschuss ins Netz speist, verschenkt Potenzial. Eigenverbrauch bei 30–40 Cent, Einspeisung bei 8–12 Cent – die Mathematik spricht für sich.